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Die Zukunft ist bio-regional.


In Heiligenblut trafen sich international anerkannte Klima- und Nachhaltigkeitsexperten sowie Vertreter aus Wirtschaft und Politik, um sich gemeinsam dem Thema „Food.Print: Regenerative Ernährung im Anthropozän“ zu widmen. Geprägt war das dreitägige Forum Anthropozän in Heiligenblut am Großglockner von der Klarheit einschneidender Folgen des Klimawandels auf globaler und lokaler Ebene. Gleichzeitig auch von der Gewissheit gemeinsam noch viel mehr zum Klimaschutz und zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels beitragen zu können.

Heiligenblut.


Das sechste Forum Anthropozän wurde vom deutschen Wissenschaftler und Unternehmer J. Daniel Dahm eingeleitet, der sich für ein lebensdienliches Wirtschaften einsetzt. „Unser derzeitiges Wirtschaftssystem zerstört unser Natur. Damit müssen wir aufhören solch ein System zu fördern. Wir müssen wieder mit Qualität, Innovation und Aufrichtigkeit die Zukunft gestalten.“


Im anschließenden ZEIT-GESPRÄCH diskutierten Landeshauptmann Peter Kaiser, Tanja Dietrich Hübner (Ja! Natürlich/REWE International), Martin Grassberger (Arzt, Biologe, Buchautor), Till Kellerhof (Club of Rome), Hanni Rützler (Food Trend Forscherin) und Kira Vinke (DGAP-Zentrum für Klima- und Außenpolitik) über die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Zusammenhang mit dem ökologischen Fußabdruck von Lebensmitteln, regenerativer Ernährung und einer entsprechenden Landwirtschaft.

Für Martin Grassberger ist der Klimawandel keine Krise, die vorübergeht, im Gegenteil, wir müssen wir mit diesen unvorhersehbaren Klimaentwicklungen und Wetterereignissen leben lernen. Für Grassberger sind die Landwirte die ersten, die das extrem spüren. Er sieht unsere Zukunft bioregional. Das bedeutet, stark auf regionale Ernährungskulturen zurück zu greifen und Lieferketten kurz zu halten, damit auch Ernährungs-Resilienz herrscht.

Für Europas führende Food Trend Forscherin Hanni Rützler rücken pflanzliche Lebensmittel immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. „Wir werden als Esskulturraum – vor allem im alpinen und Voralpenraum – sicher nicht vegan leben in Zukunft, aber das Thema hat den Finger auf den wunden Punkt gelegt. Jetzt gilt es genauer hinzuschauen: Im Anthropozän geht es darum die Rolle des Menschen in der Natur neu zu denken. Wir brauchen nachhaltigere, kreislauforientierte Wertschöpfungsketten, weg von linearen hin zu zirkulären.“

Kira Vinke, Leiterin des Zentrums für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, zeigte auf , dass unser Ernährungsstil die Überverfügbarkeit diverser Lebensmittel, der Import von nichtsaisonalen Produkten und das Wegwerfen von Lebensmitteln auf die Wasser- und Emissionsbilanz einzahlt und einen globalen Fußabdruck verursacht. Die industrielle Landwirtschaft ist dabei der Treiber der globalen Erwärmung und die traditionelle Landwirtschaft (insbesondere die Kleinbauern) sind Opfer der globalen Erwärmung.

Für Landeshauptmann Peter Kaiser ist es wichtig im Rahmen der politischen Einflussnahme die Ernährungspolitik die Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine nachhaltige und klimafreundliche Lebensmittelproduktion zu unterstützen. In Kärnten wird dazu die Regionalitäts-Charta umgesetzt, die darauf abzielt, öffentliche Einrichtungen mit regionalen und nachhaltigen Lebensmitteln zu versorgen. Durch den verstärkten Einsatz heimischer Produkte kann die Transportdistanz verringert und damit der ökologische Fußabdruck reduziert werden. Zudem unterstützt dies die lokale Landwirtschaft und stärkt die regionale Wirtschaft.

Tanja Dietrich-Hübner, Nachhaltigkeitsexpertin von REWE International AG sieht sich als Konzern in der Pflicht Beiträge zu einer Versorgung mit nachhaltigen Lebensmitteln zu intensivieren. Der Trend zu pflanzlichen Lebensmitteln steigt und damit auch die Nachfrage danach. Es braucht aber viel mehr Bewußtsein über den Zusammenhang von Klimawandel und Ernährung und auch das Wollen von Veränderung.

Erneut konnte auch Umweltmediziner Hans-Peter Hutter für die Veranstaltung gewonnen werden. Er ist davon überzeugt, dass jeder Einzelne etwas tun kann in dem er den Fleisch Konsum reduzieren kann und damit auch einen gesundheitlichen Vorteil hat. Beklagt wird von Hutter, dass die Wissenschaft zu wenig Gehör findet.

Botschafter Kairat Sarybay aus Kasachstan, Generalsekretär von CICA ( Conference on Interaction and Confidence Building Measures in Asia, bestehend aus 28 Mitgliedsstaaten und zahlreichen Beobachterstaaten - von China über Zentralasien bis zum arabischen Raum und Israel) zeigte eindrücklich auf, wie stark auch diese Länder Auswirkungen des Klimawandels bedroht sind. So bringt das Schmelzen der zahlreichen Gletscher Muren mit sich, die Gefährdung des Trinkwassers, so wie allgemeine Wasserknappheit, die sich wiederum auf die Landwirtschaft auswirkt.

Des Weiteren stellte Cradle-to-Cradle Pionier Michael Braungart von der Leuphana Universität praktische Umsetzungsbeispiele zu Regeneration und Ernährung vor. „Wir brauchen auch eine Landwirtschaft, die den Boden aufbaut. Nur fünf Promille mehr Kohlenstoff im Boden kann die gesamte CO2 Emission der Menschen ausgleichen. Der Boden ist der wichtigste Kohlenstoffträger. Wir brauchen ein neues Bio, das unsere Nährstoffe verwendet, den Boden aufbaut und die Artenvielfalt unterstützt.“ Braungart betonte zudem, dass sich Kärnten gut als Cradle-to-Cradle- Region eignen würde.

Geboten wurde ein vielfältiges Programm mit Workshops, Impulsvorträgen, Kultur- und Naturerlebnissen sowie einem bunten Kinder- und Jugendprogramm, durchgeführt von den Rangern vom Nationalpark Hohe Tauern.

AUSBLICK 2024. Das 7. Forum Anthropozän wird vom 13. bis 15. Juni 2024 im Besucher- zentrum Nationalpark Hohe Tauern in Mallnitz stattfinden.


Weitere Informationen: www.forum-anthropozaen.com


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